Art: Gisèle Freund-Werkschau in Bremen
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Gisèle Freund (1908- 2000) wurde als Fotoreporterin für die Zeitschriften Life, Time Magazin, Picture Post und für die Agentur Magnum berühmt, machte sich als Porträtistin der internationalen Literatur-Avantgarde von Paris sowie als Theoretikerin der Fotografie einen Namen. Bereits 1938 fotografierte sie mit dem gerade erst auf den Markt gekommenen und noch sehr teuren Farbfilm. Ein eindrucksvolles Farbporträt von James Joyce erschien 1939 auf der Titelseite des Time Magazin.
Ihre einfühlsamen Porträts sind Momentaufnahmen großer Intensität und keine gestellten, repräsentativen Posen. Die Aufnahmen entstanden fast beiläufig, während sich die literaturbegeisterte und belesene Gisèle Freund mit den Schriftstellern über deren Werke unterhielt. So hatten diese die Kamera vergessen und gaben sich ganz natürlich. Entstanden sind einzigartige Porträts von Bertolt Brecht, Anna Seghers, Alexej Tolstoi, Simone de Beauvoir, Walter Benjamin, Hermann Hesse, Virginia Woolf, Stefan Zweig und vielen anderen, die ab Mitte Juni im Focke-Museum, Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen sein werden.
Gisèle Freund stammte aus einer wohlhabenden und kunstsinnigen jüdischen Familie in Berlin. Mit der als Geschenk zum Abitur erhaltenen Leica begann die Autodidaktin an ihrem Studienort Frankfurt zu fotografieren. Politisch engagiert dokumentierte sie die Demonstrationen zum 1. Mai 1932. In der Ausstellung werden auch Aufnahmen aus diesem frühen Bilderzyklus gezeigt.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gelang Gisèle Freund 1933 gerade noch die Flucht nach Paris. Dort konnte sie 1935 ihr in Frankfurt bei Theodor W. Adorno, Karl Mannheim und Norbert Elias begonnenes Studium mit einer Dissertation zur Sozialgeschichte der Fotografie beenden. Diese soziologische Studie erschien erst Ende der 1960er Jahre in deutscher Sprache und wurde ein Klassiker, der noch heute Kultstatus genießt.
In Paris musste die Emigrantin nun auch zum Broterwerb fotografieren, da ihre ebenfalls aus Deutschland geflohenen Eltern sie nicht mehr finanziell unterstützen konnten. Eindrucksvoll sind ihre Aufnahmen vom „1. Internationalen Schriftsteller-Kongreß zur Verteidigung der Kultur“, der im Juni 1935 in Paris stattfand. Berühmt wurde sie auch durch ihre Reportagen aus Südamerika, wohin sie 1940 erneut vor den Nationalsozialisten geflüchtet war. Ihre enthüllenden Fotos über das luxuriöse Privatleben Evita Peròns lösten 1950 diplomatische Verwicklungen zwischen Argentinien und den USA aus. Von ergreifender Authentizität sind ihre Aufnahmen von Frida Kahlo, zu der sie eine freundschaftliche Beziehung pflegte. Wie viele andere Emigranten kehrte sie nicht nach Deutschland zurück und lebte seit den 1950er Jahren in Paris.




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